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Vollfinanzierung

Haus bauen ohne Eigenkapital: Optionen, Kosten und Risiken

Ein Haus ohne Eigenkapital zu bauen, ist möglich – allerdings nur unter klaren Bedingungen. Wir zeigen, wann Banken eine Vollfinanzierung oder 110-Prozent-Finanzierung bewilligen, welcher Zinsaufschlag auf Sie zukommt und wie Sie mit Eigenleistung gegensteuern.

Zinsaufschlag je Beleihungsauslauf

Je kleiner Ihr Eigenkapital, desto höher fällt der Beleihungsauslauf aus – und desto teurer wird der Kredit. Die Tabelle unten zeigt, mit welchem Zinsaufschlag Sie je nach Eigenkapitalquote gegenüber der günstigsten Beleihung (60 Prozent) kalkulieren müssen. Es handelt sich um Orientierungsspannen; Ihr tatsächlicher Aufschlag hängt von Bonität, Einkommen und Objektlage ab.

BeleihungsauslaufEigenkapitalZinsaufschlagEinschätzung
60 %ca. 40 %Referenz (günstigster Zins)beste Konditionen
80 %ca. 20 %+ 0,1 – 0,3 %-Punktesolide und ratsam
90 %ca. 10 %+ 0,3 – 0,6 %-Punkteweiterhin gut machbar
100 %0 % (nur Nebenkosten)+ 0,6 – 1,0 %-Punkteverlangt gute Bonität
110 %0 % (Vollfinanzierung)+ 1,0 – 1,5 %-Punktenur bei sehr guter Bonität

Orientierungswerte Stand, ohne Gewähr. Der Beleihungsauslauf gibt das Verhältnis von Darlehen zu Immobilienwert an; die verbindlichen Konditionen nennt Ihnen Ihre Bank.

Vollfinanzierung: Unter welchen Bedingungen sie klappt

Üblicherweise empfehlen Finanzierungsberater, zumindest die Kaufnebenkosten – also Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklercourtage, zusammen etwa 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises – aus eigenen Mitteln zu stemmen. Genau hier setzt die Vollfinanzierung an: Bei einer 100-Prozent-Finanzierung übernimmt die Bank den kompletten Kauf- oder Baupreis, die Nebenkosten tragen Sie selbst. Bei der 110-Prozent-Finanzierung finanziert die Bank auch die Nebenkosten mit – die teuerste Variante, da diese Kosten keinen beleihbaren Gegenwert bilden.

Solche Finanzierungen vergeben Banken nicht an jeden. Erforderlich sind ein sicheres, überdurchschnittliches und möglichst unbefristetes Einkommen, eine tadellose Bonität sowie eine werthaltige Immobilie in gefragter Lage. Der Grund liegt auf der Hand: Ohne Eigenkapitalpuffer trägt allein die Immobilie das Risiko der Bank. Entsprechend klettert der Zins mit dem Beleihungsauslauf – wie stark, zeigt die Tabelle oben. Rechnen Sie Ihr Vorhaben vorab genau durch: Der Baufinanzierungsrechner macht sichtbar, wie stark Rate und Restschuld auf den höheren Zins reagieren, und unter Bauzinsen aktuell sehen Sie das aktuelle Zinsniveau.

Muskelhypothek: mit Eigenleistung das Eigenkapital ersetzen

Wer kein Erspartes, dafür aber handwerkliches Können mitbringt, kann fehlendes Eigenkapital zum Teil durch Eigenleistung wettmachen – die sogenannte Muskelhypothek. Banken rechnen sie in einem gewissen Rahmen an, in der Regel bis rund 10 bis 15 Prozent der Bausumme. Beim Fertighaus bieten sich dafür vor allem die Ausbaustufen an: Bei einem Ausbauhaus oder Bausatzhaus erledigen Sie Innenausbau, Malerarbeiten, Bodenverlegung oder sogar den Rohbau in Eigenregie. Veranschlagen Sie Ihren Einsatz jedoch realistisch – überschätzte Eigenleistung führt zu Verzögerungen und Nachfinanzierungen. Ausführlicher lesen Sie das im Ratgeber zur Eigenleistung beim Hausbau.

Die Risiken ehrlich gegeneinander abwägen

Eine Finanzierung ohne Eigenkapital trägt sich nicht von selbst. Da die Tilgung bei einer größeren Darlehenssumme startet, bleibt die Restschuld länger hoch, die Laufzeit verlängert sich und die gesamten Zinskosten steigen. Fehlt zudem eine Reserve für Reparaturen oder einen vorübergehenden Einkommensausfall, kann die Belastung schnell zum Problem werden. Im schlimmsten Fall deckt bei einem Notverkauf der Erlös das Darlehen nicht – dann bleibt eine Restschuld ohne Immobilie. Eine Vollfinanzierung sollten daher nur Haushalte mit sehr stabiler Einkommenslage und hoher Tilgung in Betracht ziehen.

Ein wirksames Instrument bleibt die staatliche Förderung: Zinsgünstige KfW-Kredite senken die durchschnittliche Zinslast und stärken den Finanzierungsmix – gerade dann, wenn Eigenkapital fehlt. Welche Programme infrage kommen, lesen Sie im Ratgeber zur KfW-Förderung für Privatpersonen. Und da der günstigste Zins wenig nützt, wenn der Hauspreis zu hoch liegt, lohnt sich der Angebotsvergleich mehrerer Fertighaus-Anbieter mit verbindlichem Festpreis. Wie sich das Zinsniveau für Wohnungsbaukredite derzeit entwickelt, zeigt die Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank, und herstellerneutrale Hinweise zur Baufinanzierung bietet die Verbraucherzentrale.

So steigern Sie Ihre Chancen

  • Stabiles, unbefristetes und überdurchschnittliches Einkommen nachweisen
  • Kaufnebenkosten möglichst aus eigenen Mitteln tragen
  • Hohe Anfangstilgung (ab 3 %) wählen
  • Eigenleistung als Muskelhypothek einbringen
  • KfW-Förderkredite in den Finanzierungsmix einbinden
  • Mehrere Finanzierungsangebote nebeneinanderstellen

Diese Risiken gehören dazu

  • Höherer Zinssatz über die gesamte Zinsbindung
  • Lange hohe Restschuld und verlängerte Laufzeit
  • Keine Reserve für Reparaturen oder Einkommensausfall
  • Restschuldrisiko beim Notverkauf der Immobilie
  • Strengere Bonitätsanforderungen der Bank

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Häufige Fragen zum Bauen ohne Eigenkapital

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Vollfinanzierung, 110-Prozent-Finanzierung, Zinsaufschlag und Muskelhypothek.

Lässt sich überhaupt ein Haus ohne Eigenkapital bauen?
Ja, es ist machbar – aber anspruchsvoll. Banken sprechen dann von Vollfinanzierung (100 Prozent des Kaufpreises) oder 110-Prozent-Finanzierung (Kaufpreis samt Kaufnebenkosten). Bedingung sind ein sehr sicheres, überdurchschnittliches Einkommen, eine makellose Bonität (Schufa) und eine werthaltige Immobilie in guter Lage. Rechnen Sie mit einem deutlichen Zinsaufschlag gegenüber einer Finanzierung mit 20 Prozent Eigenkapital, da das Risiko der Bank steigt.
Worin unterscheiden sich Voll- und 110-Prozent-Finanzierung?
Bei der Vollfinanzierung (100 Prozent) übernimmt die Bank den gesamten Kauf- oder Baupreis, während Sie die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Makler) selbst tragen. Bei einer 110-Prozent-Finanzierung finanziert die Bank auch diese Nebenkosten mit. Da sie keinen beleihbaren Gegenwert schaffen, ist die 110-Prozent-Variante deutlich teurer und wird nur bei sehr guter Bonität bewilligt.
Wie stark fällt der Zinsaufschlag ohne Eigenkapital aus?
Der Aufschlag richtet sich nach dem Beleihungsauslauf, also dem Verhältnis zwischen Darlehen und Immobilienwert. Wer statt 80 Prozent gleich 100 oder 110 Prozent finanziert, zahlt schnell 0,5 bis über 1,0 Prozentpunkte mehr Zins. Bei einem Darlehen von 350.000 Euro summiert sich schon ein Prozentpunkt über die Zinsbindung leicht zu einem fünfstelligen Betrag. Deshalb lohnt es sich fast immer, zumindest die Nebenkosten aus eigenen Mitteln zu tragen.
Gilt Eigenleistung als Eigenkapital?
Teilweise ja. Die sogenannte Muskelhypothek – also handwerkliche Eigenleistung am Bau – erkennen Banken bis zu einem gewissen Umfang als eigenkapitalersetzend an, meist bis etwa 10 bis 15 Prozent der Bausumme. Voraussetzung ist, dass Sie die Arbeiten realistisch und fachgerecht ausführen können. Beim Fertighaus eignen sich dafür vor allem die Ausbaustufen (Ausbauhaus, Bausatzhaus). Überschätzen Sie Ihren Einsatz aber nicht: Verzögerungen können teuer werden.
Welche Risiken birgt eine Finanzierung ohne Eigenkapital?
Das größte Risiko ist die hohe Restschuld. Ohne Eigenkapital startet die Tilgung bei einer größeren Darlehenssumme, die Laufzeit verlängert sich und die Zinskosten steigen. Bei einem Notverkauf deckt der Erlös womöglich das Darlehen nicht – dann bleibt eine Restschuld ohne Immobilie. Zudem fehlen Reserven für Reparaturen oder Einkommensausfälle. Eine Vollfinanzierung setzt daher eine sehr stabile Einkommenslage voraus.
Wie steigere ich meine Chancen auf eine Vollfinanzierung?
Ausschlaggebend sind eine hohe, verlässliche Bonität, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis mit überdurchschnittlichem Einkommen und eine werthaltige Immobilie in gefragter Lage. Eine hohe Anfangstilgung (3 Prozent oder mehr) gibt der Bank Sicherheit. Ergänzend stärken zinsgünstige KfW-Förderkredite den Finanzierungsmix. Auch die Muskelhypothek durch Eigenleistung stärkt Ihre Verhandlungsposition. Holen Sie in jedem Fall mehrere Angebote ein – die Konditionen für Vollfinanzierungen weichen stark voneinander ab.
Eignet sich ein Fertighaus besser für die Vollfinanzierung?
Oft ja. Der verbindliche Festpreis eines Fertighauses gibt der Bank Planungssicherheit bei Bausumme und Bauzeit – das senkt die Gefahr teurer Nachfinanzierungen und Bereitstellungszinsen. Zudem erreichen viele Anbieter den KfW-fähigen Effizienzhaus-Standard, sodass sich günstige Förderkredite einbinden lassen. Über die Ausbaustufen lässt sich fehlendes Eigenkapital zusätzlich teilweise durch Eigenleistung ausgleichen.
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