Eine ganze Fertighaus-Generation muss erneuert werden
Zwischen 1970 und 1995 entstanden in Westdeutschland etwa 600.000 Fertighäuser – seinerzeit der Aufbruch ins industrielle Bauen, heute eine technische Aufgabe. Viele dieser Häuser sind zwischen 35 und 50 Jahre alt und stehen vor der ersten oder zweiten Generalsanierung. Bauherren, Erben und Käufer im Bestand müssen drei Aufgaben gleichzeitig lösen: energetische Sanierung, altersgerechten Umbau und Schadstoffbewertung.
Anders als beim Massivhaus folgt die Modernisierung eines älteren Fertighauses einer eigenen Logik: Holzrahmenkonstruktion, Mineralwoll- oder Glaswolldämmung, asbesthaltige Dachplatten oder Holzschutzmittel auf Pentachlorphenol- und Lindan-Basis tauchen häufig auf. Wer ohne fachlich fundierte Bestandsaufnahme saniert, riskiert Bauschäden und gesundheitliche Belastungen.
Drei Sanierungspakete für unterschiedliche Budgets
Paket „Energetische Basis” (35.000 bis 65.000 Euro): Dachdämmung, Fenstertausch (Uw ≤ 1,1), neue Heizung (Wärmepumpe oder Pellet), thermische Hülle ohne Aufdoppelung. Realistisch bei Häusern in gutem Gesamtzustand. Ergebnis: Die Heizkosten sinken um 35 bis 55 Prozent, Förderung über BAFA-Einzelmaßnahmen bis 20 Prozent.
Paket „Effizienzhaus 70 EE” (75.000 bis 120.000 Euro): ergänzend Fassadendämmung als WDVS oder Aufdoppelung, Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, PV-Anlage und bei Bedarf ein Speicher. Über KfW-261 mit bis zu 27 Prozent Tilgungszuschuss förderfähig. Lohnenswert, wenn dem Haus noch 20 bis 30 Nutzungsjahre bevorstehen.
Paket „Vollsanierung mit Erweiterung” (130.000 bis 180.000 Euro): Gebäudehülle bis Effizienzhaus 55, Umbau der Innenräume, gegebenenfalls Anbau, Schadstoffsanierung und barrierefreie Anpassung nach DIN 18040-2. Förderfähig über die Kombination aus KfW-261 und KfW-159 (Altersgerecht Umbauen). In Wachstumsregionen gleicht der Wertzuwachs die Sanierungskosten häufig komplett aus.
Worauf es bei Bestands-Fertighäusern besonders ankommt
Erstens: Schadstoffe. Bis Mitte der 1980er-Jahre wurden Holz-Tragelemente häufig mit PCP- und Lindan-haltigen Lasuren behandelt. Eine Raumluftmessung (300 bis 600 Euro) klärt die Belastung. Saniert wird meist über Versiegelung oder Einkapselung – ein kompletter Rückbau ist nur in Ausnahmefällen nötig.
Zweitens: Konstruktion. Die Holzrahmenwände der 70er-/80er-Jahre enthalten oft reine Mineralwoll-Dämmung ohne moderne Dampfbremse. Eine Fassadendämmung muss diffusionsoffen geplant werden, sonst drohen Bauschäden. Drittens: Heizung. Bestehende Gas- oder Ölheizungen lassen sich durch Wärmepumpen ablösen – sofern Flächenheizungen oder Heizkörper mit ausreichender Übertragungsfläche und eine gute Hülldämmung vorhanden sind.
Viertens: Barrierefreiheit. Wer ohnehin saniert, kann mit überschaubaren Mehrkosten (15.000 bis 35.000 Euro) gleich nach DIN 18040-2 umbauen – breitere Türen, schwellenlose Bäder sowie Vorbereitung für Aufzug oder Treppenlift. KfW-159 fördert Altersgerechtes Umbauen mit bis zu 50.000 Euro zinsverbilligtem Kredit je Wohneinheit. Die Pillar-Artikel dieses Clusters vertiefen Sanierungspakete und barrierefreies Bauen mit konkreten Kosten und Förderbeträgen.
